Pit und Pussy I

by freimachen

sind also meine Haustiere. Sozusagen.
Seit ich in dieser Wohnung wohne gehören sie dazu, wie die Taube auf dem Dach. Genaugenommen sind sie das auch. Sie sind zu zweit, seit jeher. Pit heißt übrigens Pit, weil er so nen drahtigen Eindruck macht, eher rank und schlank, und nen bisschen hektisch, aufmüpfig. Naja und Pussy…

Sie (oder gibt es auch schwule Tauben?) ist eher vom Typ träge Hausefrau. Im Vergleich zu Pit massig untersetzt, schon etwas grau um den Schnabel und eher von der fauleren Sorte. Weightwatchters würde ihr gut stehen, dann würde sie bei ihren Landeanflügen auf dem Dachbalken auch nicht immer dank ihres imensen Vorbaus runterkippen oder sich zwischen Dach und Balken festfliegen (alles schon erlebt). Aber Pit scheint sich mit dem Dilemma abgefunden haben. Naja, Äußerlichkeiten dürften bei Tauben auch eher nebensächlich sein, gibt ja nunmal nur hässliche von dieser Sorte. Aber sollen ja auch sehr soziale Tiere sein, diese Ratten. Wären die beiden keine Tauben, sondern Menschen, wären sie wohl vom Typ Jogginganzug-Pärchen mit Adiletten und Pussy würde unaufhörlich “Meinste nicht auch Schatz” vor sich hinbrabbeln, während sie Pit hinter sich herziehen würde. Und wehe Pit gibt Widerworte. Schon als Tauben machen sie von diesem sehr interessanten Sozialverhalten Gebrauch. Ich mag sie trotzdem oder gerade deswegen nicht. Seitdem ich in dieser Stadt lebe, wächst meine Abneigung gegen ihre Art von Jahr zu Jahr. Man könnte meinen ich übertreibe, aber nur mal so als Beispiel: habt ihr schon mal ein schwarzes Auto nicht mehr erkennen können, weil es innerhalb von 3 Tagen sowas von zugeschissen war, dass es mehr gelblich-grau als schwarz war, und mein Vater beim Saubermachen mit dem Hochdruckreiniger nicht etwa Tauben sondern allen Ernstes und wiederholt einen Senfanschlag auf mich vermutete? (ich glaube, er ist heute noch dieser Meinung).

Aber zurück zu Pit und Pussy.

Warum sie sich gerade meinen Balkon, den Fenstersims, meine Palme und selbst  meinen liebgewonnenen Mini-Weihnachtsbaum (er hat zwar keine Nadeln mehr, aber trotzdem!) besetzen und bescheissen müssen, ist mir ein Rätsel. Haben die denn kein eigenes Leben? Müssen sie sich in meinem breit machen?

Letztens traf ich einen von ihnen sogar im Hausflur. Es war Pit, Pussy bewegt sich ja auch eher selten. War wohl ein bisschen zu kühl draußen. Kurz hab ich überlegt, wo ich so auf die schnelle bloß Rattengift herkriegen würde, habe Mordrituale im Kopf durchgespielt und verfeinert, mental schon die Messer gewetzt, und mich dann schlußendlich doch für den pazifistischen und wenig blutrünstigen Weg des Freilassens entschieden. Warum? Ich weiß es nicht. Mir war nicht nach Tod an diesem Tag. Das muss es gewesen sein.

Fortsetzung folgt…

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