Das Schwellenalter – Teil 3

by freimachen

Option 2 – “Irgendwas zwischen „Der eine hat’s leicht, der andere hat Rücken“ oder „Ach, so spät schon?“ –

Die zweite Gruppe kennzeichnet sich durch erschreckend häufig wiederholende Eigenschaften. Durch die Bank, wird versprochen, was das Zeug hält und was in mehr als 50% der Fällen scheitern wird. Denn ehe man es sich versieht, kommt Ehe, wem Ehe gebührt. Werden aus einst so schillernden Figuren, blasse Schatten ihrer zur Schau getragenen Zweisamkeit.

Verdeckt vom stylischen Verdeck des neusten Max.i-Cos.is suhlen sie sich im hysterischen „Ach wie süß“ ihrer peer group, während bei youtube Videos vom Nachwuchs plärren – in Dauerschicht erstellt und an den Freundeskreis (natürlich nur die mageren Reste eines einst großen) verlinkt.

Da werden Nassrasierer gegen Nasenhaarrasierer getauscht (natürlich mit dem Altgerätetausch-coupon des örtlichen Elektromarktes). Und es gilt, nachzuhaken, was rhetorisch aufgetischt wird: „Was machen?“ wird wie selbstverständlich mit „Spieleabend?“ übersetzt und „Raus gehen?“ mit dem Besuch und EINEM Feierabendbier in der einst noch dauerbewohnten Stammkneipe in die Tat umgesetzt. Der Blick auf die Uhr, so gegen 21 Uhr, wird mit einem überraschten „oh, schon so spät?!?“ kommentiert, beherzt wird die S. Oliver Pseudo-Military Jacke gegriffen und ins nächste Taxi nach Hause gestiegen. Ins Taxi “springen” geht dank “Rücken” nämlich nicht mehr. Dort wartet “Schatz” und die letzte gekaufte CD, natürlich ne „The-Band“. Denn spätenstens in der Ära hatte man ja aufgehört mit dem aktuellen Musikgeschehen Schritt zu halten. Konzerte schaut man sich, wenn überhaupt, nur noch auf DVD an. Is ja auch immer so voll und laut da. Auf dem 104“ Plasmabildschirm natürlich.

Und ehe man es sich versieht, ist der Zenit überschritten, die Fortpflanzungsergebnisse der Freiheit entlassen, und nur noch die Augenringen zeugen von der Freiheit längst vergangener Tage. Der Aktivitätsradius bewegt sich zwischen Tanztee und Fernbedienung hin und her, erschwert natürlich vom Bandscheibenvorfall; den unzähligen Jahren im IKEA-Bürostuhl sei dank. Und eines Abends, beim (zu) tiefen Blick ins Glas mit dem 2003er Bordeaux stellt man fest: das war’s dann wohl auch schon wieder. Die Akkus sind leer und ausgelaugt und selbst der letzte Freund vergangener Tage ward nach seiner letzten Sauftour nicht mehr zum Brunch gesehen.

Aber kommen wir zum Punkt. Letzendlich bleibt also nur die Entscheidung zwischen Übel & Gefährlich, schwarz & weiß oder Sodom & Gomorrah. Aber was ist mit dem Dazwischen? Dem bunt? Dem “ich will so bleiben, wie ich bin”? Das es anders geht weiß ich, es soll ja Ausnahmen geben, aber für meinen Geschmack ist es das zu selten. Wo bleibt das Mittelstück?

Ich werde es ja bald zwangsläufig herausfinden, aber bis dahin bleibt nur eins: Eine gute Vorbereitung!

Woran man also merkt, dass man Teil des Schwellenalters geworden ist? Meine ganz persönliche Erfahrungsliste inklusive der gängisten Warnerlebnisse , gibt’s im vierten Teil dieser Serie. Soll ja keiner sagen, dass hier wäre nur eine sehr zynische, überspitzte Beschreibung einer jungen Frau mit Torschlusspanik am Ende ihrer Blütezeit ohne Mehrwert. Ne, ne, soweit isses ja zum Glück noch nicht.

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