Kings Of Leon goes Unterschichtenfernsehen*

by freimachen

Deutschland. Ein Abend im Frühherbst. Kurz nach 20 Uhr. Da zappt man nebenbei, unschuldig und gelangweilt durch das vorabendliche Fersehprogramm und dann das. Inmitten des Multitaskingsalats schleicht sich eine Stimme in die Wahrnehmung, die so gar nicht in das Programm passen will. Man hat diese Stimme schon mal gehört, mindestens einmal live gesehen, blickt verwundert auf und entdeckt das Unmögliche.

Ein Bericht über… Kings of Leon.

Soweit so gut. Es sei ihnen gegönnt. Aber doch ungewöhnlich, rangierten sie doch bisher eher unter den unbekannteren Vertretern ihres Genres. Der zweite Blick geht daher erstmal prüfend in Richtung der oberen rechten BIldschirmecke, dort wo ein Logo Aufschluss über den Aufenthaltsort dieses Berichts geben soll. Er verharrt wie angewurzelt auf den dort zu sehenden Pixeln und erschaudert angesichts dessen, was dort blinkt: RTLII.

Ja, richtig gelesen. Was soll man dazu sagen?

Ist euch denn gar nichts mehr heilig? Nicht das der mediale Verfall nicht schon an sich tragisch genug ist, nein, jetzt dringt das “Unterschichtenfernsehen” auch noch in die heiligen Hallen des Gitarrenrocks vor. Und das zur besten Sendezeit während der “RTLII Nachrichten”. Der Begriff an sich ist für das Dargebotene ja schon eine Zumutung. Aber das sich nun dieses Format auch noch so mir nichts dir nichts, eines der liebgewonnensten Exemplare dieses musikalischen Genres bedient, läst mich um Fassung ringen.

Auch als Einzelkind hab ich ja prinzipiell nichts gegen teilen. Auch bin ich eigentlich ein Freund der Toleranz und so, aber es gibt Dinge da hört die Toleranz auf, und spätenstens beim Thema Musik, Medien und Mainstream kräuselt sich jedes noch so kleine Nasenhaar, wenn der Schuster nicht bei seinen Leisten bleiben kann. Könnt ihr nicht einfach jeder Subkultur, ihren Anhängern und Protagonisten ihre eigene Plattform lassen? Wenn ihr schon keine eigenen C-Künstler mehr in der Retorte habt, müst ihr euch dann bei einer, euch eigentlich unbekannten und wenn nur anoymisiert als Zuschauer vorhandenen Subkultur, bedienen? Kings of Leon gehören in den Rockpalast auf WDR. Oder auf arte und von mir aus auch auf MTV. Die wissen wie man damit umgeht, aber ihr bei RTLII? Sicher nicht!

Denn, mal weitergedacht, wohin soll das denn noch führen? Marilyn Manson beim Promi Dinner? James Hetfield bei Big Brother? Ein Slayer-Special im Frühstücksfernsehen? (gibt’s das da überhaupt?) Mit The Hives Krawatten kaufen bei C&A? Statt THE DOME geht’s dann bald mit der Reportage ab zum Wacken, oder wie, oder was?

Tja, Kings of Leon, ich hätte mir eure Platte wirklich gerne unvoreingenommen angehört. Ich hätte ihr selbst im schlimmsten Fall der Fälle auch mehr als einen Versuch gegeben. Aber das, das geht nun wirklich zu weit…

… Fortsetzung folgt!

* Disclaimer für die political correctness: Nein, die Verwendung dieses Un-Wortes entspringt
nicht den möglicherweise unbewusst vorhandenden Vorurteilen der Verfasserin, sondern dient
lediglich der stilistischen Untermauerung dieses "Skandals".
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