“Wenn die Musik nicht so laut wär’…

by freimachen

wär sie nur halb so schön.” Normalerweise würde ich Oli Schulz mit dieser Aussage ja Recht geben, wäre ich nicht bei diesem Festival gewesen, das in puncto Lautstärke und Sound an sich leider so einige Minuspunkte kassieren muss.

Area4 2008. Tief im Westen. Ja, es war tief. Tief in den Tiefen der Republik. Mitten in NRW, mitten in Westfalen. Idyllisch, ruhig, grün. Angenehm familär. Lüdinghausen, Flugplatz Borkelberg.

Bis Sonntag keine Spur von Begeisterung, kein Elan, ins Auto zu steigen. Doch dann, mit den ersten Sonnenstrahlen, einem zu hartnäckigen Wecker, geht es doch noch los.

Der Plan lautete wie folgt: Standdienst, Sonne, Trinken, dredg sehen, nach Hause. Nebenbei, neuen, alten, unbekannten, guten und (wie sich herausstellte, zu vielen) schlechten Bands lauschen. Ein komisches Festival. Entspannt, warm, zufrieden, ruhig, gelassen, familär und doch irgendwie leer und LAUT.

Vielleicht lag es einfach nur an den ausbleibenden Besuchern vor der Bühne, aber es war ein Sound zum Dahin…kot…ähmm…siechen. Oder werde ich einfach nur zu alt für eine Dezibelzahl über 100?

Undankbarer geht es nicht. Und dann das Line-up. Wenige Highlights, viel, mit Verlaub, Mist und kaum ein Auftritt der wirklich vom Hocker reisst. So wie bei dredg, denen dieser Eintrag eigentlich gewidmet sein sollte.

Es war wirklich undankbar, undankbar früh, hell, leer, warm. Der ganze Auftritt von Pannen verfolgt. Dredg sind nun mal keine Draußen-und-Hell-Band. Ihre Songs brauchen die Dunkelheit und die dazugehörige Stimmung. Sonst wird das nix, liebe Veranstalter. Schon gar nicht um 16.00h. Und trotzdem: Sie haben ihr bestes gegeben.

Die neuen Songs sind noch ausbaufähig, teils sehr poppig mit verspielten Elektroarrangements und Gezupfe, aber hörbar gut. Und auch ihre unermüdliche Geduld dieses Set durchzuziehen wurde belohnt. Es lag wohl am Hang zum Perfektionismus, dass dieser Auftritt nicht zum Vollkollaps führte. Ein wirkliches Highlight, das in guter Erinnerung bleibt, war auf jeden Fall die Einlage mit den ipod digital drumsticks.

Um wenigstens auch ein paar Sachen lobend zu erwähnen, in Sachen entspannter Anreise macht dieses Festival keinem was vor. Nach Hurricane und Rock am Ring dieses Jahr, fast ein kleiner Kulturschock in Sachen familäres Flair. Durch die Sonne über idyllische Felder fast direkt vor der Bühne zu parken, hat schon was. Auch die Organisation war sehr angenehm, aber mit der Erfahrung vom Hurricane macht Skorpio da zwangsläufig eine gute Figur.

Alles in allem also ein netter Tag, kein denkwürdiger, aber eine angenehmer Abschied von der diesjährigen Festivalsaison mit Freunden, Musik und was ja auch selten ist, mit viel Sonne.

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